Der Reiseverkehr in Himmighausen

Der Bahnhof Himmighausen diente in erster Linie immer dem örtlichen Nahverkehr. Noch in den 60er Jahren nutzten etwa 200 Schüler und Pendler werktäglich aus den umliegenden Orten den Bahnhof, um zu ihrer Arbeitsstätte und zur Schule zu gelangen. Eine weitere Aufgabe hatte der Bahnhof im Umsteigeverkehr von Steinheim in Richtung Detmold und Gegenrichtung. Dieser Umsteigeverkehr wurde ab 1970 jedoch durch immer schlechtere Fahrplangestaltung praktisch unmöglich. Zuletzt gab es täglich nur noch zwei Möglichkeiten, von Steinheim her in Richtung Detmold und umgekehrt umzusteigen. Alle anderen Verbindungen wurden über der Zeit nach Altenbeken verlagert. Das hatte natürlich Auswirkung auf den Fahrpreis. Die Differenz betrug noch 1978 etwa eine Mark für eine einfache Fahrt von Steinheim über Altenbeken nach Detmold. Wer trotzdem in Himmighausen umsteigen wollte, musste meist lange warten.

Der zunehmende Autoverkehr ließ das Reisendenaufkommen nach 1970 schnell sinken. Die Fahrkartenausgabe und die Expreßgutabfertigung wurden deshalb im September 1975 geschlossen. Leider setzte sich dieser Rückgang weiter fort, so daß die damalige Bundesbahn am 28. Mai 1989 den planmäßigen Zughalt einstellte. Anfänglich fanden aber noch gelegentlich Sonderhalte für die am Ort befindliche Jugendherberge DJO statt. Aber auch dieses fand sein Ende mit dem zunehmenden Verfall der baulichen Anlagen wie Bahnsteige, Treppen, Personentunnel, usw. Beleuchtung, Uhren und Lautsprecheranlage waren bereits gleich nach Aufgabe des Zughaltes abgebaut worden.

Über den Nahverkehr hinaus gab es aber auch einige Regional- und sogar Fernverkehrsverbindungen. Diese hatten aber in der Regel nur wenige Fahrplanperioden Bestand. Zu erwähnen wären hier besonders einige Verbindungen "übers Eck" wie ein Eilzug von Enschede/NL bzw. Gronau nach Bad Pyrmont inmitten der 60er Jahre. Dieser wechselte mittags gegen 12:30 Uhr in Himmighausen die Fahrtrichtung, fuhr weiter bis nach Bad Pyrmont, endete dort und fuhr als Gegenzug die gleiche Strecke zurück.

Eine weitere bemerkenswerte Verbindung bestand von Bielefeld nach Bad Lauterberg/Odertal über Altenbeken - Ottbergen - Northeim.

Derartige Zugläufe lassen sich heute gar nicht mehr einrichten, da viele dieser Strecken heute stillgelegt und abgebaut worden sind. Hier wären zu nennen etwa die Almetalbahn von Paderborn über Büren nach Brilon Wald und auch die Strecke von Scharzfeld nach St. Andreasberg   über Bad Lauterberg, sowie der Abschnitt der Begatalbahn von Lemgo nach Hameln.

Im Jahre 1974 noch fuhr dann kurzfristig noch ein weiterer dieser „Heckeneilzüge“ durch Himmighausen, welcher wegen Streckenstilllegung der Almetalbahn zwischen Büren und Brilon, sowie einer weiteren Stilllegung im norddeutschen Raum auf unsere Strecke kam. Ursprünglich fuhr dieser Zug mal von Hamburg über Osnabrück, Dissen-Bad Rothenfelde, Brackwede, Paderborn, Büren, Brilon nach Frankfurt. Solche Zugläufe sind heute aber undenkbar geworden, weil wohl niemand mehr einen ganzen Tag für eine solche Zugfahrt aufwendet. Nachmittags gegen 17:00 Uhr endete der D-Zug Norddeich – Himmighausen bei uns, welcher auf seinem Laufweg in Hannover zum Eilzug und in Hameln zum Nahverkehrszug abgewertet wurde.

Außerdem durchfuhren den Bahnhof täglich bis zu zehn D-Züge, wovon zwei Zugpaare auf die Verbindung Westerland - Basel und zurück in je einer Tages- und einer Nachtverbindung; sowie zwei weitere auf die Verbindung Aachen/Bonn/Köln – Braunschweig mit Kurswagen nach Berlin entfielen.

Bemerkenswert war bei planmäßigem Zugverkehr die Begegnung beider Tages D – Züge zwischen Westerland und Basel hier bei uns im Streckenabschnitt. Wer nachmittags gegen 14:15 aufpasste, konnte beide Züge manchmal gleichzeitig auf der Talbrücke Himmighausen sehen. Sodann gab es noch einen Tages- und einen Nacht-D-Zug zwischen Osnabrück und München Hbf und zurück, schlechthin der Urlauberzug.

Die Nachtverbindung von und nach München wurde später sehr zum Ärger auf Freitags und Sonntags beschränkt, wie gesagt sehr zum Unwillen vieler Urlauber, die mit dieser Verbindung in die Ferien starteten. Alle anderen Fernzugverbindungen waren nur kurzlebig, etwa 1988 ein D-Zug von Darmstadt nach Kiel über die Lipper Bahn. Diese Fernzüge hielten in der Regel in den Nachbarbahnhöfen Altenbeken, Warburg, Horn-Bad Meinberg und Bad Pyrmont, wo sie mit einem Nahverkehrszug von Himmighausen aus erreicht werden konnten.

Auch der Autoreisezugverkehr frequentierte bis 1988 den Bahnhof. Der "Auto Traum Express", sowie der "Hochrhein Auto Express", gefolgt vom Schlafwagenzug "Komet" (dies war aber nicht der unter diesem Namen bekannte Triebwagenzug) passierten kurz nach Mitternacht in den Ferienzeiten täglich, sonst am Wochenende und Feiertagen den Bahnhof, in der Hauptreisezeit oft ergänzt durch je einen Vor- und Nachzug als Verstärkung.


Von allen diesen vielfältigen Verbindungen ist leider heute nur noch die S-Bahn zwischen Hannover und Paderborn, sowie die Eurobahn zwischen Bielefeld und Altenbeken, und die Westfalenbahn von Herford nach Paderborn im Stundentakt übrig geblieben, die aber alle nun den Bahnhof ohne Verkehrshalt durchfahren.

                                                                  

                                                                                                             Fahrkarten von und nach Himmighausen   (Sammlung K.Müller, Schieder)

 

Ein paar Zahlen aus einer Niederschrift unseres früheren Lehrers Vogt, geschrieben irgendwann in den 50er Jahren:

Monatlich fahren ca 165 Pendler aus Himmighausen und den umliegenden Dörfern vom Bf Himmighausen aus in die umliegenden Städte zwecks Arbeit.

Ungefähr 1500 Leute fahren monatlich zum Einkaufen nach Steinheim ; die Großeinkäufe werden in Paderborn und Bielefeld getätigt.

Himmighausen ist Umsteigebahnhof für 20 Steinheimer Schüler, die in Detmold zu den verschiedensten Schulen gehen. Von Himmighausen u. Umgebung fahren jeden Tag 27 Schüler nach Detmold.

 

Jüngst habe ich nun gelesen, daß die Bahn AG im Bundesgebiet etwa 120 Bahnhöfe reaktivieren, bzw. neu einrichten will.

Ob Himmighausen dabei ist, kann derzeit nicht gesagt werden.

Hoffen wir's mal.



Noch etwas Historisches

Das erste Schnellzugpaar durchfuhr den Bahnhof Himmighausen ab dem Sommerfahrplan 1892, es war der S 31/32 von Berlin Potsdamer Bahnhof - Magdeburg - Braunschweig - Altenbeken - Soest - Elberfeld - Köln. Der Zug wurde aus den damals neuen Schnellzugwagen mit Seitengang und Übergangsmöglichkeit in die benachbarten Waggons gebildet und führte nur die 1. und 2. Wagenklasse.

Dieser Zug erlangte traurige Bekanntheit und hatte letztlich Einfluß auch auf die Entwicklung der Signaltechnik.


Der Schnellzug S 31, Abfahrt Köln Hbf um 8.29 Uhr verunglückte am 20. Dezember 1901 gegen 11.45 Uhr zwischen Paderborn und Altenbeken vor der Blockstelle Schierenberg. Hierzu wurde der auszugsweise folgende amtliche Bericht herausgegeben:

Der Schnellzug S 31, der fahrplanmäßig Paderborn um 11.45 Uhr verläßt, fuhr mit drei Minuten Verspätung durch die zwischen Paderborn und Altenbeken liegende Blockstelle Keimberg, deren Wärter vorschriftsmäßig das Blocksignal hinter dem durchgefahrenen Zug auf Halt stellte und in dieser Stellung blockte. Der D-Zug überfuhr in der Mitte zwischen der Blockstelle Keimberg und der folgenden Blockstelle Schierenberg ein herrenloses Pferd. Der Blockwärter in Keimberg, dem die Rückmeldung für den bei ihm durchgefahrenen Zug zu lange ausblieb, glaubte, daß der Blockwärter Schierenberg die Bedienung des Blockwerkes vergessen habe, und erinnerte diesen an den Rückblock durch den Morseschreiber. Der Blockwärter in Schierenberg beachtete die Vorschrift, daß die Rückblockung erst nach erfolgter Durchfahrt des Zuges erfolgen darf, nicht, stellte das Fahrt zeigende Blocksignal auf Halt und bediente den Rückblock. Hierdurch konnte der Wärter in Keimberg sein wieder stellbar gewordenes Blocksignal für einen nachfolgenden Personenzug auf Fahrt stellen. Die Folge: Der Personenzug fuhr bei dichtem Nebel auf die Schiebelok des Schnellzuges auf. Dreizehn Tote und viele Schwerverletzte waren zu beklagen. ---

In der Folge dieses Unglücks wurde bei der Eisenbahn in den Stellwerken die elektrische Streckentastensperre nachgerüstet, die durch die Mitwirkung des fahrenden Zuges, der nach Vorbeifahrt am Blocksignal einen elektrischen Kontakt befährt, ein unzeitiges Rückblocken verhindert.

 

Die alte Fahrplantafel zum Stecken aus der Wartehalle im Bahnhof Himmighausen mit dem zuletzt gültigen Fahrplan vom Winter 1988/1989

                                                         
                                                            

In den siebziger und auch noch achtziger Jahren fuhr die damalige Deutsche Bundesbahn viele Tagessonderzüge zu touristischen Zielen nach dem Programm "Der Schöne Tag". Hier zwei Fahrkarten für den Zug am 3.9.1977 nach Königswinter, der auch Halt in Himmighausen hatte, und nach Lisse/Keukenhof am 29.4.1978 (aus meiner Sammlung)

 

                                                          

Der Schnellzug Braunschweig - Bonn kurz vor der Einfahrt in den Bf Himmighausen                                           Eilzug von Altenbeken nach Hannover mit einer 52er mit Kabinentender

bespannt mit einer V 200 im Jahre 1965

 

Der Güterverkehr in Himmighausen:

Im Wagenladungsverkehr wurde in Himmighausen vorwiegend Holz aus den umliegenden Wäldern zur Verwendung als Grubenholz im Ruhrgebiet und via Rotterdam sogar nach England verladen. Von den umliegenden Steinbrüchen, z. B. vom Bosenberg, insbesondere aber aus dem Bruch am Velmerstot wurden viele Steine als Baumaterial bis nach Köln und Berlin verladen. Der Brennofen oberhalb des Bahnhofes lieferte Kalk per Bahn für zahlreiche Baustellen in Norddeutschland.

Empfangen wurden hauptsächlich Kohlensendungen für die örtlichen Händler. Desweiteren empfing eine Fertighausfirma in Erpentrup Wagenladungen mit Schnittholz aus Skandinavien. Der Stückgutverkehr hatte nur geringen Umfang. Zu erwähnen ist aber der Mineralwasserversand des Bad Hermannsborner Brunnens.


Hierzu auch wieder ein Auszug aus der Niederschrift von Lehrer Vogt:

Am Güterbahnhof werden monatlich rund 100 t. = 5 Wagenladungen Holz aus dem Forst Himmighausen und dem Forst im Eggegebirge für die Zeche „Klosterbusch „  in Herbede bei Witten abgefertigt.

Viel Arbeit macht den zwei Beamten des Bahnhofes der Versand von ca. 1000 t. Mineralwasser monatlich von Bad Hermannsborn und die Annahme des Flaschenleergutes von ungefähr 4000 t im Jahr.

Soweit Lehrer Vogt.

Für den Mineralwasserversand wären etwa 50 Güterwagen erforderlich gewesen. ???

Wie schon erwähnt, wurden in Himmighausen zeitweise auch Übergabezüge für die Lipper Strecke gebildet. Wegen Rückgang des Güteraufkommens wurde in den sechziger Jahren die Güterabfertigung geschlossen und die Gütergleise 5 und 6 zurückgebaut. Dies als Folge des Modells 1000, wonach die Bundesbahn maximal 1000 Güterabfertigungen weiterbetreiben wollte. Die Zahlen von Himmighausen reichten hierfür wohl nicht aus.

Der Güterschuppen fiel 1970 der Spitzhacke zum Opfer.Die Abfertigungsbefugnis für Wagenladungen wurde danach von der Güterabfertigung in Steinheim wahrgenommen. Das verbliebene Ladegleis 7, welches 1970 bei der Elektrifizierung sogar noch eine Fahrleitung erhalten hatte, diente dann als Abstellgleis für Baumaterialwagen, Baumaschinen und andere, vorübergehend nicht benötigte Fahrzeuge. Es wurde durch den Ausbau der Zugangsweichen erst im Juli 2000 stillgelegt, ist aber unter einem Schotterbett noch vorhanden. Andere Anlagen des Güterverkehrs gibt es ebenfalls nicht mehr.

Somit hat der Bahnhof nur noch eine betriebliche Funktion als Kreuzungs-, Ausweich- und Überholungsbahnhof.



Umleitungsverkehr

Eine besondere Bedeutung hat unsere Strecke und auch unser Bahnhof aber für den Umleitungsverkehr.

Sollte es auf den Strecken Hamm – Bielefeld – Hannover, sowie Hannover- Göttingen – Eichenberg zu Betriebsstörungen kommen, oder auch umfangreiche Bauarbeiten stattfinden, so werden viele Züge von dort auf unsere Strecke gelegt. Das sind in der Regel Güterzüge, können aber auch hochrangige ICE oder Schlafwagenzüge der TransEuroNacht sein.

Zu den rund 100 Regelzügen, welche täglich Himmighausen durchfahren, können dann noch einmal ca. 70 Umleiterzüge kommen, sowie noch im Durchschnitt 20 Bedarfsgüterzüge und sonstige Fahrten, wie Baumaschinen u. dgl. so daß dann 180 Zugfahrten durch Himmighausen in 24 Stunden keine Seltenheit sind.

Ich habe selbst einmal 120 Zugfahrten in einer Nachtschicht gehabt.

 Die Güterabfertigung Himmighausen 1970 mit einem Skl der Bahnmeisterei Steinheim

 

Zur Startseite