Die Sanierung des Rehbergtunnels im Jahr 2013

 

Der am östlichen Ende des Bahnhofs Altenbeken anschließende Rehbergtunnel ist in die Jahre gekommen und mußte

dringend saniert werden. Durch den Tunnel rollen täglich ca. 160 Zugfahrten, bei Umleitungsverkehr können es bis

zu 250 Züge werden. Wegen den Bauarbeiten auf den Strecken Hamm - Bielefeld - Hannover und auch Hannover - Göttingen -

Kassel - Bebra hat dieser Umleitungsverkehr durch den Rehbergtunnel in den letzten Jahren stark zugenommen. Das hatte

nun eben Folgen für das Bauwerk.

                            

        Der Rehbergtunnel nach seiner Fertigstellung, Altenbekener Seite                                                                                                         Das Ostportal, Langeland. Sanierungsmaßnahmen im Jahre 1909 erforderten eine eingleisige Betriebsführung.

Im Rehbergtunnel wurde der gesamte Oberbau komplett ausgebaut und erneuert, ebenso die Weichen vor der Altenbekener Tunneleinfahrt. Eine neue Entwässerungsanlage sorgt für trockenes

Gleisbett. Die Beleuchtungseinrichtung wurde durch stärkere Lampen ersetzt. Hierfür soll noch an den Tunneleingängen eine Schaltmöglichkeit

angebracht werden für Rettungs- und Wartungsdienste. Bis dahin wird der Tunnel dauernd beleuchtet. Auf der Langelander Seite wurde ein Rettungsplatz errichtet mit einer Zufahrtmöglichkeit in

den Tunnel für Feuerwehrfahrzeuge etc.

Auf den Einbau einer festen Fahrbahn wurde vorerst verzichtet. Der Grund ist eine weitere Sanierungsmaßnahme,

die nach dem Jahr 2020 geplant ist. Das Tunnelgewölbe soll dann mit einer Betonschalung vollkommen erneuert werden, wobei noch entschieden wird, 

die bisherige Tunnelröhre eingleisig zu belassen und parallel dazu eine zusätzliche neue Röhre zu bauen für das zweite Gleis. Damit würde zwar die 

Sicherheit im Tunnel deutlich erhöht, die Kosten steigen dann aber ins gigantische. Mal sehen, was wird. Beim zweigleisigen Tunnel mit Sicherheit wieder

eine Vollsperrung, die dann aber wesentlich länger dauert.

 

 

Zur Ausführung aller Arbeiten wurde der Rehbergtunnel ab dem 2. April 2013 bis zum 28. September 2013 voll für den Zugverkehr

gesperrt.  Zusätzlich wurden auch die Gleise 10 und 11 im Güterbahnhof, sowie das Kurvengleis 200 und die östlichen Abschnitte der Gleise 1 und 2 gesperrt.

Entsprechend wurde auch die Oberleitung außer Betrieb gesetzt und geerdet. Auf Gleis 11 werden die neuen Weichen 154 und 155 vormontiert und von dort in

Segmenten zur Einbaustelle gebracht. Zunächst ist mit der Erneuerung des Gleises 4 in Langeland begonnen worden.

 

 

                                                         

                                                                            Das Westportal des Rehbergtunnels heute

Dies führte während der Bauzeit zum bisher wohl größten und längsten Schienenersatzverkehr, den unser Bereich bisher gesehen hat.

Die Züge der Eggebahn fuhren von Bielefeld über Paderborn nur bis Altenbeken und wieder zurück, sowie zwischen Holzminden und 

Bad Driburg im Pendelverkehr. Da in Bad Driburg wegen fehlender Weichen kein Überleiten in das andere Streckengleis mehr möglich

ist, fuhren die Züge von Holzminden her als Lr dann weiter bis Langeland, wo sie dann zur Rückfahrt ins andere Streckengleis umsetzten.

Der letzte Zug am Abend wurde über Nacht in Langeland abgestellt.

Die S-Bahn von Hannover endete in  Steinheim und fiel auf dem weiteren Weg bis Paderborn komplett aus, wurde durch Busse 

ersetzt. Die Westfalenbahn von Herford verkehrte nur bis Horn-Bad Meinberg.

 

 

Geschichte des Rehbergtunnels

Mit dem Bau des Rehbergtunnels wurde am 10.09.1861 begonnen. Der Vortrieb erfolgte gleichzeitig jeweils vom Ostportal

und vom Westportal. Zusätzlich wurden auf der Tunnelachse noch vier Schächte angelegt. Der Ausbruch wurde aus diesen

Schächten zunächst mit Haspeln, später mit Pferden und zuletzt mit alten Dampflokomotiven, welche über

die schlechten Waldwege des Eggegebirges erst zu den Baustellen transportiert werden mußten, gefördert.

Der Betrieb der Dampfloks erforderte rund 480 t Steinkohle.

Die Mineure hatten viel gegen starken Wassereinbruch zu kämpfen, der oft zur Einstellung der Arbeiten führte.

Erst nachdem für einen hinreichenden Wasserablauf gesorgt wurde, konnten die Arbeiten zielstrebig fortgeführt werden.

Nachdem der First und der Sohlestollen wurde das Tunnelprofil  vollständig ausgebrochen und sofort ausgemauert.

Die gesamte Tunnellänge von 1632 m  wurde dazu in zwölf Abschnitte aufgeteilt, an denen gleichzeitig so gearbeitet wurde,

daß alle Bauabschnitte in etwa gleichzeitig fertig wurden. Am 19. Juni 1864 wurde der Schlußstein der Ausmauerung

gesetzt, fünf Tage später, am 24. Juni durchfuhr die erste Lokomotive den Tunnel, der dann am 1. Oktober 1864

offiziell in Betrieb genommen wurde.

 

Der Einsturz des Rehbergtunnels

Vierzig Jahre lang erfüllte der Rehbergtunnel ohne größere Unterhaltung seine Aufgaben, bis es

am 23. Juli 1905 etwa 460 m vom Ostportal entfernt, zu einem Gewölbeeinsturz kam,

verursacht durch einen sich in einem Hohlraum über der Tunnelausmauerung lösenden Felsen, der diese durchschlug.

Nachstürzende Fels- und Erdmassen verschütteten den Tunnel auf einer Länge von 35 m.Es wurden Schäden an der

Tunnelausmauerung sichtbar, die offensichtlich durch das hohe Wasseraufkommen im Berg verursacht waren.

Leider wurde dies nicht rechtzeitig bemerkt, gegen 6:45 fuhr der P 346 aus Holzminden kommend von Langeland her

in den Tunnel ein und prallte dann ungebremst auf die herabgestürzten Felsmassen. Die Zuglok entgleiste, die Wagen

schoben sich ineinander, einige stürzten um. Das Unglück forderte 17 Schwerverletzte; ob Todesopfer zu beklagen waren,

ist nicht bekannt. Der verunglückte Zug konnte lange nicht geborgen werden,  da er sich in der Enge verkeilt hatte.

Der Zugverkehr kam zum Erliegen und konnte erst nach einem Jahr wieder aufgenommen werden.

 

Die Arbeiten zur Beseitigung der Schäden wurden sofort in Angriff genommen. Zunächst wurde ein Schacht in 

der Nähe der Einbruchstelle angelegt, um den Zustand der Gesteinsschichten über dem Tunnel zu erkunden.

Dieser Schacht wurde später mit dem Tunnelfirst verbunden und dient seither als Entlüftungsschacht. 

Das schadhafte Gewölbe wurde auf einer Strecke von rund 350 m völlig erneuert. Hierbei

kam es zu zwei weiteren Einbrüchen. 

 

Bisherige größere Sanierungen des Rehbergtunnels

Wegen der in den Gründungsjahren der Eisenbahn noch nicht vorhandenen Möglichkeiten fehlte dem 

Rehbergtunnel jede Isolierung gegen eindringendes Wasser. Dies führte in Verbindung mit den Lokomotivabgasen

und Frost zu schweren Schäden an der Ausmauerung. In den Wintermonaten hängen auch heute noch lange,

teils mehrere Meter lange Eiszapfen im Gewölbe, die den Betrieb gefährden, und jeden Tag entfernt werden müssen.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine eingehende Überprüfung des Bauwerkes vorgenommen, die festgestellten

Mängel wurden als eine erhebliche Betriebsgefahr angesehen. Die erforderlichen Arbeiten wurden 1947 von den 

Firmen Kronibus aus Kassel in Gemeinschaft mit den Firmen Adolf Wolfsholz und Philipp Holzmann in Angriff 

genommen. Im Zweischichtbetrieb wurden insgesamt 119 000 Tagewerke geleistet. Während der Bauzeit wurde

der Betrieb eingleisig geführt, täglich passierten 150 Züge den Tunnel.

Die Arbeiten dauerten über 6 Jahre, dabei wurden u.  a.  folgende Arbeiten ausgeführt:

840 m Widerlager erneuert, 670 m Tunnelgewölbe abgedichtet und zusätzlich verstärkt, insgesamt wurden

12 200 qm Gesamtfläche abgedichtet.

Der Materialverbrauch dabei:

1 500 000 Stck Klinker, 2650 t Zement, 10 000 t Kies, 5 000 t Sand, 16 300 t Natursteine, 37 300 qm Isolierbahnen

und 700 Fässer Bitumenkleber.

(Diese Zahlen habe ich der Chronik der Gemeinde Altenbeken entnommen).

Anschließend wurde im Tunnel noch der Oberbau komplett erneuert, alle Arbeiten waren am 5.9.1953 beendet.

 

                                                                                

Im Rahmen der Tunnelsanierung wird auch das Streckengleis Langeland - Himmighausen erneuert. Der alte Oberbau ist entfernt, das Schotterbett erneuert und 

planiert, die neuen Schienen sind im (ebenfalls gesperrten) Nachbargleis abgezogen. Um die Vollsperrung für den Bahnübergang Po 105 kurz zu halten, wurde der 

Oberbau im Bereich der Straße noch nicht entfernt. Dies wurde vom 24.5. bis 26.5. nachgeholt.

                                                                                  

                                                              Mittlerweile ist das neue Gleis verlegt. Es wird nun noch eingeschottert, danach folgen die Stopfgänge

 

                                                                                              

                                                            Im Bereich des früheren BÜ Po 103 werden noch Maßnahmen zur Entwässerung durchgeführt

 

Eine Begehung der Baustelle im Rehbergtunnel  

Während einer Wochenendarbeitsruhe der Tunnelbaustelle hatte ich Gelegenheit zu einer Wanderung durch den Rehbergtunnel. Nachfolgend hiervon eine Fotoserie.

             

Das Ostportal des Rehbergtunnels, die Langelander Seite

 

                               

                       Einfahrt von Langeland her, die neuen Gleise liegen bereits,                                     Unter der Tunneldecke wurde an beiden Enden eine Belüftungsanlage montiert.

                            müssen aber noch geschottert und gestopft werden. 

                                                                  

Zur Trockenlegung wurde eine leistungsfähige Pumpenanlage installiert.                             Tunnelmitte, hier ist das Südgleis noch nicht fertig

             

                                                                              

Eine Wasserkaverne im Tunnel speichert Wasser aus dem Gebirge, welche zu Dampflokzeiten als Speisewasser verwendet wurde.            Die Fahrleitung im Rehbergtunnel

        

Ein Blick zurück nach Langeland                                                                              Tunnelausfahrt Altenbeken                                Hier fehlt das Südgleis noch. Die Signalkabel wurden zu ihrem        

                                                                                                                                                                                                                                                  Schutze  hochgebunden.                                   

         

Die Einfahrvorsignale G                                                   und F vom Bf Altenbeken im Rehbergtunnel      Zugang zu einem Entlüftungsschacht, der noch aus der 

                                                                                                                                                                    Tunnelbauzeit stammt

                                

                     

Tunnelausfahrt Altenbeken                                                                     Westportal des Rehbergtunnels in Altenbeken                                      Einfahrsignalgruppe G und F des Bfs Altenbeken

  

       

Für Rettungsfahrzeuge wurde eine Zufahrt in den Tunnel angelegt.     Auf Gleis 3 in Langeland wurde für die Bauzeit ein Abstellplatz für die Nordwestbahn

                                                                                                          eingerichtet. Dafür wurde auch eine Gleisfeldbeleuchtung installiert

                             

Zu der Tunnelsanierung gehörte auch die Erneuerung des Gleises 4 in Langeland, sowie die Erneuerung der Weichen 154 und 155 auf der Altenbekener Seite 

 

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